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Zur Geschichte der Krauchenwieser Ragallemusik.

Im Schwabenland wird ein zänkisches Weib mit "Ragall", der schwäbischen Form von "Xanthippe" bezeichnet. Wie viele derart "vornehme" Wörter stammt auch dieses aus dem französischem und ist von frz. "racaille" (Gesindel) abgeleitet.

So werden wohl die ersten Krauchenwieser Ragalle-Musikanten, die Streit- und Händelsüchtigen, ihren Namen vom Musikverein bekommen haben, von dem sie sich im Unfrieden getrennt hatten.  Viel ist von den Ur-Ragalle nicht mehr erhalten. Es gibt in der Geschichte des Musikvereins Krauchenwies vom verstorbenem Ehrendirigenten Franz Knoll eine kurze Abhandlung, die hier kurz wiedergegeben wird: nach 1900 gab es in Krauchenwies drei Musikkapellen: den Musikverein Krauchenwies, die Jugendkapelle des Musikvereins und die Ragallemusik, die wohl durch Abspaltung vom Musikverein entstanden ist.

Der erste Weltkrieg beendete das musikalische Wirken. Alle Musikanten wurden zum Militär eingezogen und nahmen am Krieg teil. Vier kamen nicht mehr zurück, unter ihnen war der musikalische Leiter Gustav Ehstand.  Mehrere Auftritte dieser "alten" Ragallemusik sind zwischen 1908 und 1914 bekannt. Von Gustav Ehstand, dem Leiter der Ur-Ragalle, ist ein Marsch erhalten, heute kurz "Ragalle Marsch" genannt. Er ist die Erkennungsmelodie der heutigen Ragallemusik!

Die zweite Ragallemusik - um 1950 

Zu Anfang der fünfziger Jahre gab es eine Neuauflage der Ragallemusik, Etwa zehn ältere Musikanten zogen am Fasnetsdienstag durch den Ort und machten Musik. Es waren Johann Waldraff (Schreinerhanne), Anton Stecher (Dudre), Albert Ruprecht (Schnallbert), Theodor Kästle, Alfred Böll, Hans Erath,  Alfred Saile, Franz Knoll. U.a. Gekleidet waren sie mit altmodischen Fräcken (Gehröcke), weißen Hemden mit Fliege, schwarze Zylinderhüte, mit schwarzbemaltem Gesicht als Afrikaner und ein paar Saitenwürstel als "Lippen" ins Gesicht gebunden. Eine gelungene Schau - sofort war der Name "Ragallemusik" wieder in aller Munde!

Es gab noch mehrere "Neuauflagen". So zog z.B. 1958 eine Gruppe Musikanten als Araber verkleidet durchs Dorf.

Bei einer anderen Fasnet (das Jahr ist nicht bekannt) besorgtenPaul Leiss und Franz Knoll ein schrottreifes Auto, eine schwere Limousine Marke "Wanderer". Beim alten Schmied Gröner wurde das Dach abgeschweißt und so ein Kabriolett daraus gemacht, so dass zehn Musikanten nebst Tuba, großer Trommel und dem sonstigen Instrumentarium darin und darauf wie die Ölsardinen "Platz" fanden. Sie machten Krauchenwies, Hausen, Ettisweiler und Bittelschieß unsicher, bliesen aus Leibeskräften und trieben allerlei Schabernack.

Die "neuen Ragalle" 1977 

Die Idee, nach Art der "alten" Ragalle aus den 50er Jahren aufzutreten, wurde in einer feuchtfröhlichen Nach-Musikprobe im Gasthaus Löwen geboren. Der Anstoß kam wohl von Franz Knoll.  Georg Holz, Heiner Rudigier, Karl Anton Buck und andere waren sofort mit von der Partie. Selbst der Schultes (H. Schöllhammer) fand`s eine gute Sache, er haute ja öfters auf die Pauke! Die Proben waren beim Albert Ruprecht, wo meist mehr Most gesoffen als Töne geblasen wurden. Die Fasnet kam, die Kostüme, altmodische schwarze Geröcke, weiße Hemden mit Fliege und Zylinder waren besorgt, Uschi Sodenkamp als "Maskenbildnerin" tat ihr Bestes, die Musikanten als "Afrikaner" umzuschminken.

An der Fasnet 1977 nahmen teil: 

Georg Holz (Direktion und Trompete), Anton Glöggler (Klarinette), Heiner Rudigier (Trompete), Franz Nipp (Tuba), Karl Anton Buck (kleine Trommel), Franz Knoll und Gerhard Schreiber (Tenorhorn), Albert Ruprecht (Ragalle-Trommel), Theo Haag (Klarinette), Paul Leiss (Tuba), R. Jenewein (Schirmherr). Das Reportoire war noch recht bescheiden: der "historische"  Ragallemarsch, ein paar Fasnetslieder, der treue Husar und der Böhmerwald. War alles durchgespielt, wurde einfach das Lokal gewechselt.

Im Gegensatz zu früher bemühen sich die heutigen Ragalle um ein freundschaftliches Verhältnis zum Krauchenwieser Musikverein. Es spielen auch ständig einige "Aktive" in der Kapelle mit.